Nur noch 21 Tage

Heute mit Informationen zur Arbeit der Seemannsmission weltweit

Losung und Lehrtext für Sonntag, 03.12.2017

Singet dem HERRN ein neues Lied, seinen Ruhm an den Enden der Erde.
Jesaja 42,10

Zacharias wurde vom Heiligen Geist erfüllt, weissagte und sprach: Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat besucht und erlöst sein Volk.
Lukas 1,67-68

Was ist die Seemannsmission? Dazu ein Interview mit der Generalsekretärin Heike Proske (veröffentlicht in der Verdizeitung Seeschifffahrt)

Engel für Seeleute

Die Deutsche Seemannsmission (DSM) ist weltweit bekannt und geschätzt. Bereits seit 1886 kümmert sie sich um das Wohl von  Seeleuten. Sie betreibt in 17 deutschen und 20 Häfen außerhalb von Deutschland Stationen mit über 700 haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern. Schifffahrt hat die Generalsekretärin der DSM Heike Proske über die Unterstützung der Matrosen interviewt.

Frau Proske, warum ist die Unterstützung von Seeleuten so wichtig?

Mehr als 90% aller gehandelten Waren werden auf Schiffen (als Container oder Stückgut)
transportiert. Weltweit arbeiten über eine Million Seeleute auf Schiffen und gewährleisten damit den globalen Handel im In- und Export. Sie versorgen Menschen mit Gütern aller Art. Dies von den Verbrauchern meist unbemerkt und unter Arbeitsbedingungen, die in keiner Hinsicht der Bedeutung ihrer Arbeit entspricht.

Wie muss man sich den Alltag auf den heutigen Schiffen vorstellen?

Auf einem großen Schiff arbeiten in der Regel nur zwischen 9 und 20 Personen aus  unterschiedlichen Nationen zusammen, meist sind es Männer. In einer von Technik geprägten Arbeitswelt arbeiten die Seeleute  7 Tage die Woche an Bord, oftmals in unsicheren Arbeitsverhältnissen. Der Alltag ist geprägt von harter körperlicher Arbeit, ständigem Lärm, Vibrationen und unregelmäßigen Ruhezeiten. Arbeitsverträge laufen oft über 9 Monate, die dann fern von Heimat und Familie, ohne gewohnte Umgebung und Sprache mit immer wechselnden Länderbedingungen verbracht werden müssen.

Seeleute sind ständig unter Fremden und stets aufs Neue unterwegs in die Fremde. Innerhalb der Kollegen gibt ein Seemann oftmals nur wenig über sein Privatleben oder seine Probleme preis. Die soziale Isolierung und Vereinsamung ist eine logische Folge. Durch die unterschiedlichen Kommunikationssysteme in den einzelnen Häfen besteht fast keine Möglichkeit, den Kontakt mit der Familie aufrecht zu erhalten. Denn auch das Verlassen des Schiffes ist mittlerweile sehr restriktiv. Der gestiegene Kostendruck ist überall spürbar. Sicherheitsbedingungen sind extrem verschärft.  Die Liegezeiten werden immer kürzer und betragen häufig nur noch 4 bis 5 Stunden. Liegezeiten kosten die Reedereien viel Geld und nur ein fahrendes Schiff ist lukrativ.

Worin besteht nun die Aufgabe der Deutschen Seemannsmission?

Wir besuchen die Seeleute direkt an Bord. Einfache Gespräche über z. B. Sorgen mit der Familie oder den Kollegen sind für viele eine  Bereicherung. Wir bringen kostengünstige Telefonkarten des jeweiligen Landes mit, verteilen Zeitungen aus der Heimat in der Muttersprache und helfen bei Fragen jeder Art. Wenn wir nicht weiter wissen, kennen wir vor Ort Menschen, die unterstützen können, z.B. für unbürokratische und anonyme medizinische Hilfe.  Die Seelsorge tritt zunehmend in den Vordergrund, insbesondere aufgrund belastender Erlebnisse mit Flüchtlingsschiffen oder Piraten. Auf Wunsch werden Andachten oder Trauerfeiern auf dem Schiff abgehalten. Muss ein Seemann ins Krankenhaus, wird er dort besucht und bekommt soweit wie möglich Unterstützung.

Das kostet doch alles auch Geld – wer trägt denn das?

Die Finanzierung der Seemannsmission besteht aus Geldmitteln der evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) und Spenden sowohl von Privatmenschen bzw. Firmen, die der Schifffahrt verbunden sind. Durch die Mittelknappheit der EKD und die damit leider verbundenen Kürzungen wird die Bedeutung der Spenden immer größer und überlebenswichtiger.

Hat sich die Arbeit der Seemannsmission in den letzten Jahren verändert?

Ja, sehr sogar. Zum Einen, weil die Kommunikation der Seeleute nach Hause etwas einfacher geworden ist und hier die Hilfeleistungen sich stark verändert haben, zum Anderen aber auch, weil die physischen und psychischen Belastungen der Seeleute sich ganz massiv verändert und damit auch zugenommen haben. Hier wird vor allem der gestiegene Zeit- und Kostendruck direkt vom Arbeitgeber auf die Arbeitenden weiter gegeben. Auf dem Schiff ist ohnehin alles so rationalisiert wie möglich. Der einzige Kostenfaktor, an dem die Reederei noch sparen kann, ist das Personal.

Was sind Ihrer Meinung nach die direkten Folgen aus dem Kostendruck

Wir sehen das bei unseren täglichen Besuchen an Bord. Seeleute, die schon länger unterwegs sind, kommen an ihre Leistungsgrenzen. Fehlender Schlaf, Erholungs- und Abschaltmöglichkeiten und auch fehlende Ansprache, bedingt durch immer kürzer werdende Liegezeiten, zehren an der Substanz der Seeleute. Einsparungen gibt es sowohl im Bereich der Anzahl auf dem Schiff Tätigen, aber auch in der Versorgung. Tagessätze von 2-3 US $ für Verpflegung und Trinken gelten schon als positiv zu bewertende Leistung der Reedereien. Leider wirken sich all diese Faktoren nicht nur auf die Zufriedenheit der Seeleute aus, sondern auch auf die Sicherheit – des einzelnen wie der ganzen Crew.

Gibt es Ihrer Meinung nach noch andere Einflussfaktoren?

Gerade in der letzten Zeit sehen wir verstärkt die Problematik, die sich mit der Flüchtlingssituation im Mittelmeer, aber auch in Südostasien auf die Handelsschifffahrt auswirkt. Im Gegensatz zu den professionellen Rettern haben Seeleute keine verpflichtende psychologische Nachbetreuung, sie müssen sogar ihr Schiff noch säubern und sofort weiterfahren trotz Belastung und Schlafmangel. Sie haben keine Ansprechpartner, wenn sie nicht selbst Kontakt aufnehmen zum Beispiel zur Seemannsmission. Immer wieder melden sich Seeleute bei unseren Stationen, aber auch hier in der Zentrale, weil sie mit dem Erlebten nicht fertig werden und Hilfe brauchen. Auch wenn die Flüchtlingssituation über das Meer und ebenso die Piraterie aus dem Blickwinkel der Presse geraten ist, sind die Zahlen ja nicht rückläufig.

Ihre Stationen im Mittelmeer – unterscheiden die sich von anderen Stationen?

Ja, sehr sogar. In Ägypten dürfen Seeleute z.B. den Hafen quasi nicht verlassen, selbst wenn das Schiff längere Zeit dort liegt. Hinzu kommt das Spannungsumfeld zwischen christlichem und muslimischem Glauben, die für viele Seeleute fremde Kultur und letztendlich auch eine politisch schwierige Situation im Lande. Dort und in den anderen beiden Mittelmeerstationen (Piräus und Genua) kommen nun vermehrt die Eindrücke aus Rettungsmaßnahmen von Flüchtlingen, sowie Im Meer treibenden Gegenständen und Leichen zur Sprache. Der Bedarf der Seeleute im Mittelmeer an psychischer Betreuung ist erheblich gestiegen und damit auch die Belastungen für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Welchen Wunsch hätten Sie denn an unsere Leser um die Seemannsmission zu unterstützen?

Ja, da hätte ich einen ganz konkreten Wunsch. Vor Weihnachten verteilen wir immer kleine Geschenke in einer Tasche an Seeleute. Diese Taschen müssen bestückt werden. Dazu können wir sowohl Geschenke, wie aber auch Bargeld zur Anschaffung von Telefonkarten gut gebrauchen. Ebenso ist es uns aber auch wichtig, dass das Wissen um unsere Arbeit herausgetragen wird. Das wird schon durch dieses Interview gemacht. Vielen Dank dafür!

 

Eine Antwort auf „Nur noch 21 Tage“

  1. Hallo Karin, hallo Markus,
    den Adventskalender finde ich sehr gut, auch wenn für mich nahezu nichts unbekanntes darin stand. Leider werden wir aus Termingründen im Jahr 2017 nicht nach Alex kommen können. Frühesten im Januar, selbst da haben wir Probleme. Eine Spende wird erst im Januar in der Kiste sein.
    p.s.: Ich hoffe Karin hat Grüße an Dich ausgerichtet.

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