Nur noch 19 Tage

Ich möchte euch heute eine Kampagne vorstellen, an der sich die Seemannsmission beteiligt. Sie geht uns alle an!

Losung und Lehrtext für Dienstag, 05.12.2017

Mose sprach:  Nehmt zu Herzen alle Worte, die ich euch heute bezeuge. Denn es ist nicht ein leeres Wort an euch, sondern es ist euer Leben.
5.Mose 32,46.47

Es war ein Mensch, von Gott gesandt, der hieß Johannes. Er war nicht das Licht, sondern er sollte zeugen von dem Licht.
Johannes 1,6.8

Fair übers Meer! – Ein Bündnis aus (derzeit) zehn Organisationen möchte unter diesem Motto eine breitere Öffentlichkeit dafür interessieren, wie es um die Seeschifffahrt bestellt ist. Wir möchten, dass Sie – über übliche Schlagzeilen von großen Schiffen, teuren Häfen, vertieften Flüssen oder subventionierten Reedern hinaus – mit uns auf die Menschen in der Seeschifffahrt schauen.

Wir möchten, dass bei allen Debatten über die Gestaltung einer gerechten und umweltfreundlichen Weltwirtschaft der Seeverkehr und hier vor allem die Arbeits- und Lebensbedingungen seiner Beschäftigten stärker berücksichtigt werden. Wir möchten, dass auch mit Blick auf den Handel über See endlich über Fairness geredet und vor allem Fairness praktiziert wird.

Fair übers Meer! – worum geht es?

Was glauben Sie, was hier los wäre,
wenn alle wüssten, was hier los ist!?“

Dieser Satz des Kabarettisten Volker Pispers beschreibt präzise das Problem, das wir öffentlich machen wollen. Dafür bitten wir um Ihre solidarische Unterstützung.

Wissen SIE, was los ist in der Seeschifffahrt?

Es geht um globalen Handel, der zu etwa 90 Prozent über die Weltmeere erfolgt.

Wissen SIE, was los ist an Bord?

Es geht um rund 50.000 Handelsschiffe und vor allem um rund 1,2 Millionen Seeleute.

Wissen SIE, wie es um diese Menschen bestellt ist?

Immer mehr Produkte aus dem so genannten „Fairen Handel“ füllen die Regale in den Läden, werden gekauft und konsumiert. Aber diejenigen, die diese fairen Produkte über die Ozeane schippern, werden häufig alles andere als fair behandelt – und kaum jemand nimmt das zur Kenntnis. Seit Jahrzehnten schon prangern Organisationen wie die Internationale Transportarbeiter-Föderation (ITF) oder die Deutsche Seemannsmission (DSM) die Verhältnisse an, unter denen viele Seeleute arbeiten und leben müssen.

Wissen SIE, was Ungerechtigkeit bedeutet?

Ungleiche oder ungerechte Bezahlung, schlechte oder gar menschenverachtende Arbeitsbedingungen, umweltschädlicher Schiffsbetrieb – in der Öffentlichkeit ist über diese und weitere Bedingungen des Schiffsverkehrs wenig bekannt: Extrem niedrige Kosten für Transport und Verladung zu Lasten der arbeitenden Menschen und der Umwelt kennzeichnen das „Globalisierung“ genannte ungerechte Welthandelssystem.

Grundsätzlich unterliegt jedes Schiff den Gesetzen des Staates, dessen Flagge es führt – und damit auch entsprechenden Tarifen, Sicherheitsbestimmungen und Arbeitsbedingungen. Es gibt aber Staaten, die „ihre“ Flagge zur Verfügung stellen, ohne sich um die Verwaltung „ihrer“ Schiffsregister zu kümmern. Sie dulden Sozialdumping, unkontrollierte Arbeitsverhältnisse und ungeregelte Arbeitsbedingungen an Bord „ihrer“ Schiffe und verhökern „ihre“ Flagge gegen Gebühr, an jeden, der sie nutzen will.

In der Schifffahrt spricht man in diesem Zusammenhang von „Billigflaggen“ als herausragendem Beispiel für Ungerechtigkeit auf See. Weltweit gelten derzeit die Nationalflaggen von 35 Staaten nach Definition der Internationalen Transportarbeiter-Föderation (ITF) als Billigflagge. Reeder – auch und gerade aus Deutschland – nutzen die Möglichkeit, ihre Schiffe unter Billigflagge anzumelden und zu betreiben, um ihre eigenen Kosten zu senken und daraus Vorteile zu ziehen. Selbst international vereinbarte Mindeststandards für Arbeit und Leben an Bord werden auf solchen Schiffen häufig unterschritten.

56 Prozent des weltweiten Seehandels werden auf Billigflaggen-Schiffen transportiert. Ihre Besatzungen stammen vorwiegend aus Ländern des globalen Südens (Indien, Pakistan, Philippinen) oder aus Billiglohnländern Europas (Lettland, Ukraine, Kroatien u. a.). Aus Angst, ihren Job zu verlieren, erdulden diese Seeleute oft menschenunwürdige Lebens- und Arbeitsbedingungen.

Auch für die Umwelt sind die Folgen des Seeverkehrs weltweit verheerend: Die Schiffe fahren mit einem Treibstoff, der an Land als Sonderabfall behandelt werden muss. Bis heute haben sie das Recht, ihre Abfälle und Ölgemische in den Weltmeeren „über Bord“ zu entsorgen, nur für wenige Zonen gibt es Einschränkungen.

Ausgemusterte Schiffe werden in Pakistan, Indien oder Bangladesch abgewrackt. Das geschieht unter oft sklavereiähnlichen Bedingungen, häufig auch durch Kinder und Jugendliche. Nahezu alle Gefahrstoffe des Schiffes gelangen dabei ungehindert in die Umwelt.

Wissen SIE, dass wir nur mit Ihrer Hilfe diese Verhältnisse ändern können?

Es ist an der Zeit, in der Gestaltung einer gerechten und umweltfreundlichen Weltwirtschaft auch den Seeverkehr und seine Bedingungen zu berücksichtigen. Deshalb fordert die Kampagne

Fair übers Meer!“

die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft auf, Fairness endlich auch im Handel über See zu verwirklichen (den Katalog unserer Forderungen finden Sie hier). Nur ein breites zivilgesellschaftliches Bündnis mit Druck von unten kann das Gerangel um Billigflaggen und die Arbeitsbedingungen auf den Schiffen durchleuchten, aufdecken und verändern.

Bitte, helfen Sie uns dabei.

Damit alle endlich wissen, was hier los ist – auf See und auch in den Häfen.

SIE wollen sich beteiligen? Hier gibt’s weitere Informationen!

 

  • Zum Start der Kampagne haben wir einen Flyer als Faltblatt (so genanntes Leporello) veröffentlicht, der hier in einer Bildschirmversion (PDF, 2 MB) zur Verfügung steht. Wer ihn selbst verteilen möchte – was uns natürlich sehr hilft! –, kann sich gerne Exemplare kostenlos zuschicken lassen, die notwendigen Kontaktinformationen stehen auf der letzten Seite des Flyers.
  • Ebenfalls zum Kampagnenstart erschienen ist eine 36-seitige Hintergrund-Broschüre, die gleichfalls kostenlos bestellt oder die hier heruntergeladen werden kann (PDF, 3 MB). Sie enthält acht Beiträge aus der Zeitschrift WATERKANT zu den Themen der Kampagne:
    • zur Debatte über fairen Transport,
    • zum „System Billigflagge“,
    • zur Idee eines Fair-Shipping-Siegels,
    • zum Verhältnis zwischen Fairem Handel und Seetransport,
    • zur Fairness in einer globalen Welt,
    • zur Schiffs-Verschrottung,
    • zu den Arbeitsbedingungen in der Fischereiindustrie und
    • zur „Massenpassagierhaltung“ auf Kreuzfahrtschiffen

Quelle und weitere Informationen auf der Aktionswebseite: www.waterkant.info

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.